Diesen Wunsch solltet ihr euren Kids nie abschlagen. Vorlesen schafft Nähe, hilft Kindern, Erlebtes besser zu verarbeiten – und erleichtert ihnen später das Lernen in der Schule

Vorlesen? Auch wenn wir manchmal viel zu müde sind, sollten wir es tun: je öfter, desto besser. 15 Minuten täglich können langfristig Zeit und Geld sparen und überdies die Nerven schonen. Kinder, denen die Eltern viel vorlesen, fällt das Lesenlernen leichter, und sie werden eher zu Viellesern, was man ihnen nur wünschen kann. Lesen gilt als Schlüsselkompetenz und Erfolgsgarant für Schule und Beruf. Außerdem behaupten wir: (Vor-)Lesen macht einfach glücklich. Die Vorteile im Einzelnen:

Vorlesen verbindet 

Beim Vorlesen nimmt man sich Zeit für das Kind. Am besten liest es sich in einer ruhigen Atmosphäre. Auf dem Sofa, eingekuschelt in eine Decke. Oder abends im Kinderbett vor dem Schlafen. Der Klang der Stimme und die körperliche Nähe vermitteln dem Kind Geborgenheit und Vertrauen, und das Kind bekommt dazu ungeteilte Aufmerksamkeit. Es wird Vorlesen immer mit Zuwendung und Geborgenheit verbinden. Was gibt es Schöneres für ein Kind? 

Vorlesen fördert die Konzentration und Lernfähigkeit 

Auch wilde Kinder brauchen mal eine Verschnaufpause. Eine gemeinsame Lesezeit hilft ihnen, zur Ruhe zu kommen und ihre Konzentrationsfähigkeit zu schulen. Die Bilder anschauen, genau zuhören, sich Dinge merken, sich in die Figuren hineinversetzen – da läuft eine ganze Menge gleichzeitig ab. Und man darf sich dabei nicht ablenken lassen, sonst verpasst man einen Teil der Geschichte und kommt nicht mehr mit. Eine Herausforderung für ein Kind, die es gut bewältigt, wenn es damit vertraut ist. Daher sollte man auch regelmäßig vorlesen und möglichst anschaulich und unterhaltend lesen, am besten mit verschiedenen Tonhöhen und Betonungen. 

Geschichten machen kreativ 

Bücher beflügeln die Fantasie. Zu den gehörten Worten bilden sich im Kopf ganz eigene Bilder, schöpfend aus dem Erfahrungsschatz des Kindes. In solche ganz eigene Welten einzutauchen fördert die Vorstellungskraft und übt die innere Anschauung. 

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Vorlesen ist gut für den Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz 

Kinder, denen schon früh und regelmäßig vorgelesen wird, bekommen ein Gefühl für die Melodie, den Rhythmus der Sprache und ihren Aufbau – so fangen sie häufig früher an zu sprechen. Sie lernen neue Ausdrücke und prägen sich anspruchsvollere Satzmuster ein als die, die wir in unserer Umgangssprache verwenden. Wie Studien zeigen, können sich diese Kinder besser ausdrücken, da sie über einen signifikant größeren Wortschatz verfügen. Wem schon früh vorgelesen wird, der entwickelt außerdem später eine bessere Lese- und Schreibkompetenz – die wichtigste Grundlage für das Lernen. Auch zeigen Kinder, denen viel vorgelesen wird, ein größeres Interesse am Lesen als andere Kinder. Lesen und Schreiben fallen ihnen leichter. 

Hilfsmittel für die emotionale Entwicklung 

Kinder lernen nicht nur neue Wörter durch das Vorlesen, sondern sie beschäftigen sich so auch mit neuen Themen. Eltern können Bücher auch gezielt so auswählen, dass sie thematisch zur aktuellen Situation der Familie passen. Ein neues Geschwisterchen kommt? Die Einschulung steht bevor? Bücher zum Thema sind nützlich, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Sie erleichtern es Kindern, Fragen zu stellen, die sie bewegen. Geschichten oder Märchen helfen Kindern, ihre Wünsche und auch Ängste zu verarbeiten. Sie können innere Konflikte bewältigen oder lernen auch ganz neue Themen spielerisch kennen. Anhand von Bilderbüchern können Eltern ihrem Kind Dinge zeigen und erklären, die es im Alltag so nicht zu sehen bekäme. 

Vorlesen fördert die Sozialkompetenz 

Taucht das Kind in Geschichten ein, lernt es automatisch, sich in andere hineinzuversetzen. Es lernt, Verhaltensweisen einzuschätzen und sie sich sogar anzueignen. So ist Einfühlungsvermögen eine wichtige soziale Kompetenz, die Kinder über das Vorlesen schneller erwerben. Jedes Kinderbuch hat darüber hinaus eine Botschaft oder Moral, die sich Kinder zu eigen machen. 

Entspannt Kinder – und Eltern! 

Ja, richtig gelesen: Vorlesen tut gut – auch oder vielleicht besonders den Eltern. Pädiater aus den USA fanden in einer großen Studie heraus: Vorlesende Eltern sind entspannte Eltern, und das wirkt sich selbstverständlich auch positiv auf die Kinder aus. 

Macht schon die Babys schlau 

45 Prozent aller Eltern beginnen ihren Kindern im Alter von ca. zehn Monaten vorzulesen – viel zu spät, wenn es nach Bildungsforschern geht. Sie empfehlen, Kindern ab drei Monaten vorzulesen. Für Babys in diesem Alter eignen sich robuste Stoffbücher, die sich mit allen Sinnen erkunden las- sen. Einige davon haben Knisterfolien, Knöpfe und weitere spannende Elemente. Babys ab dem neunten Monat können vertraute Gegenstände auch auf Bildern erkennen. Für dieses Alter gibt es Bücher mit dicken Pappseiten, auf denen jeweils ein Auto, ein Ball, ein Fläschchen usw. zu sehen ist. Interaktive Bücher halten das Interesse des Kleinkindes an Büchern wach: Klappen, Laschen und andere bewegliche Elemente helfen, die Abbildungen auch haptisch zu erleben und im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. 

Unsere Tipps zum richtigen Vorlesen 

Feste Vorlesezeiten sind beliebt, denn Kinder lieben Rituale. So wissen sie verlässlich, dass zu einer bestimmten Zeit am Tag Geschichtenkuschelzeit ist. Wann man vorliest, spielt dagegen grundsätzlich keine Rolle. Nach dem Mittagessen, vor dem Schlafengehen – richtig ist, wann immer es am besten passt. Wichtig ist nur, dass man sich beim gemeinsamen Lesen richtig Zeit und Ruhe dafür nimmt, sich auf das Kind einzulassen, und geduldig seine Fragen beantwortet. 

Am besten liest es sich auf der Couch, im Bett, auf einer gemeinsam gebauten Kissenburg oder in einer Spielhöhle. Hauptsache, gemütlich! Das Vorlesen darf auch mal unterbrochen werden. Durch Fragen oder einfach mal gemeinsames Lachen. Toll, wenn Erwachsene kleine Späße einbauen. Etwa wenn sie den Namen des Kindes einsetzen, besonders merkwürdig betonen oder den Figuren sehr lustige Stimmen verleihen. 

Welches Buch gelesen wird, sollte das Kind bestimmen dürfen. Auch wenn es immer dasselbe Buch ist. Kinder lieben es, tief in eine Geschichte einzudringen. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Ausflug in die Bücherei? So ein Haus voller Geschichten ist toll – dort kann man gemeinsam stöbern und beobachten, welche Bücher das Kind ansprechen.

Fotos: Getty Images/Westend61; Getty Images/Klaus Vedfelt

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