Das allererste Mal vorm Regal mit Säuglingsmilch: so viele Marken, so viele Sorten. Und jetzt? Durchatmen. Mit diesem Guide geht nichts schief!

Was macht Kinder stark fürs Leben? In den ersten Monaten ist das leicht zu beantworten: Man nehme Liebe, Geborgenheit – und Milch. Das Wort „Säugling“ kommt nicht von ungefähr: Die Reflexe, die das Baby zum Trinken braucht, hat es schon in Mamas Bauch trainiert. Eine andere Nahrung als Milch würde dem Kind schaden – sein Verdauungssystem muss erst langsam reifen.

Andere Lebensmittel sind auch noch gar nicht nötig. In der Milch stecken alle Nährstoffe, die das Kind in den ersten Monaten braucht: Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe. Vor allem Muttermilch ist ein echter Powerdrink. Ihr Nährstoffgehalt ist maßgeschneidert fürs Baby und passt sich seinen Bedürfnissen ständig neu an. Dank Immunzellen und Antikörpern schützt sie das Neugeborene vor Krankheiten und hilft ihm, ein starkes Abwehrsystem zu entwickeln. Experten sagen daher: Wenn möglich, bitte stillen. Übrigens kommt auch Teilstillen, also eine Ernährung mit Mutter- und Säuglingsmilch, dem Kind zugute. Aber: Auch industriell hergestellte Säuglingsnahrung versorgt das Baby mit allen notwendigen Nährstoffen. An ihr Vorbild, die Muttermilch, kommt Säuglingsnahrung zwar nicht ganz ran. Mütter, die nicht stillen, müssen sich jedoch keine Sorgen machen. Auch mit dem Fläschchen bekommt ihr Kind alle Nährstoffe, die es für seine Entwicklung braucht. Einen Vorteil hat das Fläschchen: Auch Papa kann das Kind füttern. Etwas mehr wissen müssen Eltern, die sich für Säuglingsnahrung entscheiden, aber schon. 

Welche Milch ist am Anfang geeignet?

"Als ich im Drogeriemarkt zum ersten Mal vor den vielen Sorten Fläschchenmilch stand, fühlte ich mich überfordert", erzählt Anja Habermann.  "Unser Sohn war sechs Wochen alt und ich wollte abstillen. Aber ich war nicht sicher, welche Milch für Moritz die richtige ist". Die junge Mutter entschied sich für eine Pre-Milch. Gut gemacht! "Die Pre-Nahrung ist die richtige Milch für den Start", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Ute Alexy, die viele Jahre für das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund tätig war. In ihrer Zusammensetzung ist Pre-Nahrung der Muttermilch am ähnlichsten – sie enthält als einziges Kohlenhydrat Laktose (Milchzucker) und ist deshalb sehr dünnflüssig und besonders leicht verdaulich. 

Auch Milch mit der Ziffer 1 kommt ab Geburt für das Baby infrage. Beide sind sogenannte Anfangsmilchen. Eltern können sie nach Bedarf füttern: Sobald das Baby Hunger hat, bekommt es ein Fläschchen, bis es satt ist. Auch zum Zufüttern ist Anfangsmilch gut geeignet. Der Unterschied zwi- schen „Pre“ und „1“ ist, dass die 1-Nahrung außer Milchzucker auch glutenfreie Stärke enthält. Das macht sie etwas dickflüssiger. Die 1-Nahrung soll länger sättigen; wissenschaftlich belegt ist das aber nicht. Außerdem darf 1-Nahrung im Gegensatz zur Pre-Milch Zucker enthalten. Die meisten Hersteller verzichten jedoch darauf. Im Zweifel hilft ein Blick auf das Etikett. Wichtig für Eltern: Wird das Baby nicht gestillt, ist Anfangsmilch – egal, ob „Pre“ oder "1" – in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten die einzige Nahrung, die es braucht. Säuglingsmilch gibt es auch in Bio-Qualität. Wer Wert auf Um- welt, Tierschutz und nachhaltige Landwirtschaft legt, der ist mit Bio-Lebensmitteln in jedem Fall gut beraten. Die strengen Schadstoffgrenzen gelten aber für alle Säuglingsmilchen. 

Im Internet tauchen immer wieder Rezepte für Säuglingsmilch auf, die man mit Ziegen-, Stuten- oder sonstigen Milchen selbst herstellen kann. Doch Kinderärzte und Ernährungsexperten warnen Eltern einhellig davor, die Milch fürs Baby selbst zusammenzumischen: Das kann zu einem schweren Nährstoffmangel führen und er- höht das Risiko für Magen-Darm-Infekte. 

Picture

Muss mein Kind das Fläschchen leer trinken?

Nein. Sie dürfen nach Bedarf füttern: Ihr Baby bekommt so viel Milch, bis es satt ist. Vertrauen Sie Ihrem Kind, dass es sich genau die Menge holt, die es für seine Entwicklung braucht. Den Milchrest im Fläschchen bitte gleich wegschütten und nicht wieder aufwärmen. 

Eine besondere Milch für Allergiker 

Mama, Papa oder ein Geschwisterkind leidet unter Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen? Dann ist das Risiko erhöht, dass das Baby an einer Allergie erkrankt (s. auch Seite 52). Dagegen ist Muttermilch der beste Schutz. Denn Babys reagieren auf das in ihr enthaltene Eiweiß nur sehr selten allergisch. Wird nicht gestillt, braucht das Baby eine spezielle Milch, sogenannte HA-Nahrung. HA steht für hypoallergen. Konkret heißt das: Die Eiweiße der Kuhmilch sind in kleine Bausteine zerlegt. So sind sie fürs Baby besser verdaulich – und das Immunsystem erkennt sie auch seltener als fremd. „Für nicht gestillte, allergiegefährdete Babys ist eine HA-Pre-Nahrung oder HA-1-Nahrung in den ersten Monaten das Richtige. Sie kann helfen, die Entstehung einer Allergie zu verzögern oder sogar zu verhindern“, weiß Dr. Ute Alexy. Wichtig ist, dass das Baby in den ersten vier bis sechs Monaten ausschließlich Muttermilch bzw. HA-Nahrung bekommt. Durch die Aufspaltung der Eiweiße schmeckt die HA-Nahrung etwas bitter. Bekommt das Baby die Milch von Anfang an, akzeptiert es den Geschmack meist aber ohne Probleme. Hat das Kind bereits eine Allergie gegen Kuhmilcheiweiß, ist HA-Nahrung nicht geeignet. Dann braucht es eine Spezialnahrung. Welche jeweils die geeignete ist, besprechen Eltern mit ihrem Kinderarzt. 

Die passende Milch zum Brei 

Moritz, der Sohn von Anja Habermann, ist inzwischen acht Monate alt. Mittlerweile bekommt er drei Breie pro Tag, zwischendurch gibt‘s das Fläschchen. An dessen Inhalt hat sich bisher nichts geändert – Mama Anja füttert nach wie vor Pre-Milch. „Ich habe überlegt, auf Folgemilch umzustellen. Bislang gab es aber keinen Grund dafür, denn Moritz trinkt seine Pre-Milch noch gern“, erzählt die 31-Jährige. Auch aus der Sicht von Dr. Ute Alexy ist ein Wechsel nicht unbedingt nötig. „Es spricht nichts dagegen, bei der Anfangsmilch zu bleiben, solange das Baby aus der Flasche trinkt“, sagt die Expertin. Haben Eltern jedoch den Eindruck, dass ihr Kind mit der Anfangsmilch nicht mehr zufrieden ist, können sie ihm frühestens ab dem siebten Monat eine Folgenahrung (2-Milch) geben.  

Für Babys, die noch keinen Brei bekommen, ist Folgemilch nicht geeignet. Denn im Gegensatz zu einer Anfangsnahrung unter- scheidet sie sich stärker von ihrem Vorbild Muttermilch. Manchen Folgenahrungen ist Zucker oder Aroma zugesetzt. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Eltern vor dem Kauf die Inhaltsstoffe auf der Packung lesen: Sind außer Milchzucker keine weiteren Zuckerzusätze (wie Glukosesirup oder Maltose) in der Milch? Verzichtet der Hersteller auf künstliche Aromen? Sonst könnte sich das Kind schnell an den süßen Geschmack gewöhnen – und auch später lieber zu Süßem greifen. Übrigens: Im Gegensatz zur Anfangsmilch ist der Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen wie Jod, Eisen und Vitamin D in der Folgemilch höher. So kann die Milch (mit-)helfen, Babys gestiegenen Nährstoffbedarf zu decken. Folgemilch 3 gibt es frühestens ab dem 10. Monat. 

Was die Zusätze und Abkürzungen bedeuten 

Wenn Anja Habermann sich erinnert, wie wenig sie anfangs über Säuglingsmilch wusste, muss sie schmunzeln. „Heute haben mein Mann und ich den Durchblick. Nur bei manchen Begriffen bin ich mir noch nicht ganz sicher, was sie bedeuten“, gesteht die Mutter von Moritz. Sie meint zum Beispiel Pro-, Pre- und Synbiotika. Einige Hersteller setzen sie der Milch zu, weil sie sich einen positiven Effekt auf Babys Gesundheit erhoffen. Probiotika sind lebende „gute“ Bakterien, die sich in Babys Darm ansiedeln und damit die Darmschleimhaut stärken können. Mit Prebiotika ist dagegen das „Futter“ für die guten Darmbakterien gemeint. Das sind vor allem unverdauliche Ballaststoffe, wie sie auch in der Muttermilch vorkommen. Der Begriff Synbiotika steht für eine Mischung aus beidem: Pro- und Prebiotika. Auch hinter HMO verbergen sich Ballaststoffe, die den Darmbakterien als Nahrung dienen. LC-PUFA sind auch im Original, der Muttermilch, enthalten. Das Kürzel steht für langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die wichtig für die Entwicklung von Gehirn, Nerven und Augen sind. Auf dem Etikett sind diese Fettsäuren manchmal auch als LCP oder DHA gekennzeichnet. 

Nach etwa einem Jahr kommt der Becher dran 

Mit etwa einem Jahr dürfen Kinder zum ersten Mal Kuhmilch trinken. Eine Alternative ist Kindermilch (1+ ab einem Jahr bzw. 2+ ab zwei Jahren). Sie enthält weniger Eiweiß – eine hohe Eiweißzufuhr gilt als Dickmacher. Außerdem ist Kindermilch mit zusätzlichen Vitaminen und Nährstoffen wie Jod, Eisen und Vitamin D angereichert. Das Fläschchen hat jetzt ausgedient: Die Milch bekommen Kinder nach etwa einem Jahr am besten im Becher. 

Fotos: Getty Images/Catherine Delahaye; Getty Images/Ariel Skelley

Wir verwenden Cookies und andere Technologien, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu deiner Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die du dir bereitgestellt hast oder die du im Rahmen deiner Nutzung der Dienste gesammelt hast. Details und Widerspruchsmöglichkeiten findest du in unserer Datenschutzerklärung.