Mit dem ersten Löffel püriertem Gemüse beginnt für Babys ein spannendes Abenteuer. Unsere Tipps erleichtern Eltern und Brei-Anfängern den Start 

Svenja guckt kritisch. Was ist das? Diese zähflüssige, orangefarbene Pampe soll mit dem süßen Shake aus Mamas Milchbar mithalten können? Das fünf Monate alte Mädchen verzieht das Gesicht und blickt Papa Sebastian vorwurfsvoll an. Der Karottenbrei landet statt im Mund auf dem Lätzchen. Dem Stuhl. Dem Tisch. Dem Fußboden. Und in Papas Nase. Am Sams- tag. Am Sonntag. Am Montag. Nach drei Tagen beschließen Svenjas Eltern, mit dem Brei- füttern doch noch ein bisschen zu warten. Eine Woche später starten sie den nächsten Versuch – und tatsächlich klappt es dieses Mal besser .

Das richtige Alter zum Essenlernen

Zwischen dem Beginn des fünften und des siebten Lebensmonats sind Babys so weit, dass sie Brei probieren können und wollen. Greift das Kind nach allen möglichen Dingen und steckt sie sich in den Mund? Ahmt es die Kaubewegungen von Mama und Papa nach und verfolgt mit seinen Blicken neugierig, was die Erwachsenen essen? „Dann ist die Zeit reif, um mit der Beikost zu starten“, erklärt die Ökotrophologin Dr. Annett Hilbig, die sich im Schwerpunkt mit der Ernährung von Babys und Kleinkindern beschäftigt.

Die richtige Tageszeit

Am besten füttern Eltern den ersten Löffel Brei dann, wenn das Baby ausgeschlafen, gut gelaunt und neugierig ist. Ist das Kind bereits sehr hungrig, bekommt es zunächst ein bisschen Milch und erst danach ein paar Löffel Brei – und zum Schluss noch mal Mutter- oder Fläschchenmilch zum Sattwerden. „Bei den ersten Löffeln Brei geht es nicht ums Sattwerden, sondern darum, auf den Geschmack zu kommen“, erklärt Dr. Annett Hilbig. 

Der erste Brei: mit Gemüse und Fleisch

Für die ersten Versuche mit dem Löffel wählen die meisten Eltern die Mittagszeit und füttern einen Karottenbrei. Der schmeckt schön süßlich, das mögen die meisten Kinder. Alternativen sind zum Beispiel auch Kürbis, Pastinake, Brokkoli, Fenchel und Zucchini. Um das Baby nicht zu überfordern, ist es sinnvoll, erst mal ein paar Tage bei einer Gemüsesorte zu bleiben, bis sich das Kind daran gewöhnt hat. An- schließend kommt die Kartoffel dazu, zwei, drei Tage später Fleisch, Rapsöl und Obstsaft – und schon ist die erste Breimahlzeit komplett. 

Ernährungsexperten empfehlen, mit diesem Brei zu starten, weil das Fleisch gut verwertbares Eisen enthält, das für die Sauerstoffversorgung, Blutbildung und das Wachstum nötig ist. Die Eisenspeicher aus der Zeit im Mutterleib gehen bei Kindern im zweiten Lebenshalbjahr nach und nach zur Neige. Gut auch, wenn Eltern ein- bis zweimal pro Woche einen Brei mit Fisch statt Fleisch servieren. Zum Beispiel Lachs, der enthält viele gesunde Omega-3-Fettsäuren, oder Kabel- jau und Seelachs, die gute Jodlieferanten sind. 

Eltern, die ihr Kind vegetarisch ernähren wollen, können das Fleisch im Brei durch Vollkorngetreide ersetzen. Um einen Nährstoffmangel zu verhindern, sollten sie sich unbedingt beraten lassen. Von einer veganen Ernährung raten Experten bei Babys und Kleinkindern ab. 

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Tipp 

Wenn das Kind drei komplette Breimahlzeiten isst, sollte es zusätzlich über den Tag verteilt noch 200 ml Wasser trinken — das entspricht etwa einer Tasse. 

Der zweite Brei: mit Milch und Getreide

Etwa vier Wochen, nachdem Svenja zum ersten Mal den Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei gegessen hat, bekommt sie einen Milch-Getreide-Brei. Meist gibt es ihn abends, denn er macht schön satt. Er versorgt die Kleinen mit wertvollem Eiweiß und Kalzium, wichtig für die Entwicklung von Zähnen und Knochen. Zubereitet wird der Brei mit Vollmilch, Getreideflocken und Obstmus oder -saft. Gut zu wissen: Kuhmilch gibt‘s im ersten Jahr nur als Zutat im Brei; als Getränk könnte sie die Nieren des Babys belasten.

Der dritte Brei: mit Obst und Getreide

Svenja ist mittlerweile sieben Monate alt: Der Getreide-Obst- Brei macht jetzt ihre Speisekarte komplett. Er besteht aus Getreideflocken, Obstmus und etwas Rapsöl und versorgt das Kind mit Vitaminen und Ballaststoffen. Der Getreide-Obst-Brei, den die meisten Babys am Nachmittag essen, ersetzt eine weitere Milchmahlzeit. Die Brust oder das Fläschchen gibt es das ganze erste Jahr über weiterhin, solange Baby und Eltern das wollen. 

Auch essen muss man lernen

Für Kinder ist die Umstellung von Milch auf Brei ein großer Schritt. Brei schmeckt ungewohnt und fühlt sich im Mund ganz anders an. Vor allem aber müssen Babys erst lernen, die Masse von der Zunge zum Gaumen zu schieben. Erst wenn der angeborene Saugreflex verschwindet, sind sie in der Lage, den Brei im Mund zu befördern. „Viele Eltern vermuten, dass es den Kindern nicht schmeckt, wenn sie den Brei ausspucken“, sagt Dr. Annett Hilbig, „aber oft liegt das einfach nur am Saugreflex .“
Natürlich wollen Essanfänger den Brei auch anfassen, ihn buchstäblich begreifen – und das ist gut so. „Ein wichtiger Bestand- teil des Essenlernens ist, auch mal die Finger in den Brei zu tauchen. Abwischen während der Mahlzeit ist nur dann erlaubt, wenn das Kind kaum mehr aus den Augen sieht“, meint Dr. Hilbig lachend. Wichtig ist, dass das Kind aufrecht sitzt: entweder auf dem Schoß der Eltern oder in einem Hochstuhl (bei Bedarf einfach mit einem Sitzverkleinerer oder Kissen etwas polstern). 

Ist das Baby auch wirklich satt? 

Wie viel Brei Kinder essen, ist sehr unterschiedlich. „Manche kommen nie auf die empfohlene Menge von 190 Gramm Gemüse- Kartoffel-Fleisch-Brei, anderen reicht das nicht, um satt zu wer- den“, weiß Dr. Hilbig. Auch da sollten Eltern auf ihr Bauchgefühl vertrauen. Dass ihr Baby satt ist, zeigt es, indem es den Kopf wegdreht, die Lippen zusammenkneift oder sich leicht ablenken lässt. 

Übrigens: Svenja liebt ihren Brei inzwischen. Schon wenn Mama oder Papa beginnt, in der Küche mit Geschirr zu klappern, sperrt sie den Mund auf, so weit sie kann – wie ein hungriges Vögelchen seinen Schnabel. 

Fingerfood gibt‘s dazu 

Essen soll Spaß machen und ohne Zwang sein. Gut also, wenn Eltern ihre Kinder zu selbst- bestimmten Essern erziehen wollen. Manche geben ihrem Baby keinen Brei, sondern bieten ihm ausschließlich weich gegarte Lebensmittel als Finger- food an — nach dem Konzept von Baby-led weaning. Die Idee dahinter: Das Kind soll sich dann selbst füttern und damit auch selbst entscheiden, was es isst. Experten sehen diese Methode jedoch kritisch: Babys essen nur sehr kleine Portionen, brauchen aber gerade im zweiten Lebenshalbjahr besonders viele Nährstoffe. Und zwar als richtige Mischung von Eiweißen, Kohlenhydraten, wertvollen Fetten, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Die bekommen sie nicht über Fingerfood, sondern über Brei. Der Breifahrplan vom Forschungsinstitut für Kinderernährung ist genau auf diese Bedürfnisse abgestimmt. Und daneben darf es natürlich gern auch Finger- food sein. Damit Ihr Baby beim Essen viele spannende Entdeckungen machen kann. 

Fotos: Getty Images/ilmoro100; Getty Images/Prostock-Studio

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