ATMEN, YOGA, AKUPUNKTUR – SCHWANGERSCHAFTSKURSE GIBT ES VIELE, UND JEDER SETZT ANDERE SCHWERPUNKTE. EINES HABEN SIE ALLE GEMEINSAM: SIE MACHEN SPASS UND SIND EINE WUNDERBARE KONTAKTBÖRSE FÜR 
DAS LEBEN MIT KIND 

Eine Geburt ist wie Spa­ghetti bolognese ko­chen: kriegt man hin. Hackfleisch, Gemüse, Tomaten. Klein schnei­den, brutzeln, würzen, fertig. Raus kommen sie immer, die Kinder. Wenn es ein bisschen raffinierter sein soll, hilft der Blick ins Kochbuch: Aha, eine Messerspitze Zimt könnte man zuge­ben. Dass man im Stehen, im Sitzen, im Liegen oder in der Wanne gebären kann, kann man ebenfalls nachlesen. Wer aber bisher noch nie italienisch gekocht hat, für den ist ein Kurs goldrichtig. Weil man endlich fragen 
kann, was einen umtreibt: Knoblauch schneiden oder zerdrücken? 

So ist es auch mit Kursen in der Schwangerschaft. Was kommt bei der Geburt auf mich zu? Wen oder was soll ich mitnehmen? Vor allem aber: In der Gruppe macht die Geburtsvor­bereitung einfach mehr Spaß. Weil die anderen auch jammern, weil man feststellt, das geht ja nicht nur mir so, die anderen haben auch Schiss. Und weil man nirgendwo sonst so viele Frauen trifft, die in der exakt gleichen Lebenssituation stecken: 30. Schwan­gerschaftswoche plus minus ein paar Tage – zu diesem Zeitpunkt starten die meisten Geburtsvorbereitungskurse. Anmelden sollte man sich aber schon vorher. Die Münchner Hebamme Sisko Stenzel meint: „Etwa in der 20. Woche ist ein guter Zeitpunkt. Sich vorher verrückt zu machen ist Unfug. Nie­mand kann und will über das Finale der Schwangerschaft nachdenken, wenn sie gerade erst begonnen hat.“ 

Wichtig für einen guten Vorbe­reitungskurs ist vor allem: dass die Chemie mit der vorbereitenden Heb­amme stimmt (bitte unbedingt vorher telefonieren!) und dass man im Kurs nette Frauen kennenlernt. Gut mög­lich, dass ihr hier die beste Freundin für den neuen Lebensabschnitt findet, ganz bestimmt aber jemanden, neben dem ihr in ein paar Wochen entspannt euren Kinderwagen schieben könnt. 

Übrigens: Auch vor einem Kaiser­ schnitt ist man in einem Geburtsvor­bereitungskurs richtig aufgehoben. Davon ist die Geburtsvorbereiterin An­drea Singer vom Münchner Zentrum für natürliche Geburt überzeugt, „weil ja auch ein Kaiserschnitt eine Geburt ist. Inzwischen sogar eine ziemlich normale, immerhin jedes dritte Kind kommt heute so auf die Welt. Da ist es gut, wenn man weiß, was einen erwartet.“ 

Der Klassiker

FÜR WEN: Für (fast) alle. Die meisten Frauen entscheiden sich für einen klassischen Geburtsvorbereitungskurs: Acht bis zehn Frauen treffen sich an vier bis sechs Aben­ den mit einer Hebamme oder Geburtsvorbereiterin. An einem Abend oder Wo­chenende kommen dann die Papas dazu. 

WAS ES BRINGT: Man lernt sich selbst und die anderen gut kennen. Spätestens beim zweiten, dritten Treffen werfen die Teilnehmerinnen ihre Hemmungen über Bord, fangen an zu erzählen, stel­len Fragen. An den Partner­tagen sind das Wochenbett und die Zeit danach Thema: Was brauchen Mutter und Kind? Wo finden wir die pas­sende Unterstützung? für den neuen Lebensabschnitt findet, ganz bestimmt aber jemanden, neben dem ihr in ein paar Wochen entspannt euren Kinderwagen schieben könnt. 

WO: In Entbindungsklini­ken, Hebammenpraxen, Familienbildungsstätten. Eine gute Idee ist es, den Kurs in der Nähe zu buchen, dann lassen sich später Treffen mit Kinderwagen leichter organisieren. KOSTEN: Übernimmt bei gesetzlich Versicherten die Krankenkasse, die Väter zah­len selbst (zehn bis 60 Euro; einige Krankenkassen geben Zuschüsse oder übernehmen die Kosten sogar ganz). Wich­tig: Während Hebammen direkt mit der Kasse abrech­nen, muss man den Kurs bei einer Geburtsvorbereiterin zunächst bezahlen und kann dann die Quittung einrei­chen. Krankenkassen kön­nen, müssen den Kurs aber nicht bezahlen, bitte vorher danach erkundigen.  

Die Yoga-Nummer 

FÜR WEN: Derzeit angesagt, weil Yoga cool und gut gegen Rückenschmerzen ist. Etwa 80 Prozent der Teilnehmer sind Yoga- Neulinge, 20 Prozent bleiben auch nach der Geburt dabei, meint die Münchner Yoga-Lehrerin Heike Gross.

WAS ES BRINGT: Durch Yoga wird der Körper kräftiger, man lernt ihn über Atmung und Spürübungen besser kennen. Die werdende Mutter tankt Kraft, er- kennt ihre Stärken und nimmt Kontakt mit dem Ungeborenen auf. Wichtig: In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten ist Yoga zumindest für Anfänger tabu, und die Yoga-Lehrer sollten eine spezielle Weiterbildung für Schwangeren-Yoga gemacht haben. WO: In Yoga-Studios und Fitnesscentern, in physiotherapeutischen Praxen und bei Heilpraktikern.

KOSTEN: Es gibt feste Kurse und fortlaufende ohne Anfangs- und Endtermin. Oft bieten Studios Zehnerkarten an (100 bis 160 Euro). Manchmal (z. B. bei Rückenschmerzen) gibt’s Zuschüsse von der Krankenkasse. 

Das Einzel-Coaching

FÜR WEN: Für Schwangere, die sich schonen und liegen müssen, weil irgend­ was nicht rundläuft. Für Schwangere, die nicht in einer Grup­pe über ihre Ängste sprechen möchten. Für beruflich Einge­spannte, die für einen normalen Kurs keine Zeit haben. 

WAS ES BRINGT: Das Gleiche wie ein klassischer Geburts­vorbereitungskurs, aber individuell auf die Schwangere zu­ geschnitten. 

WO: In Hebammen­praxen, Kranken­häusern. Wer nicht aufstehen darf, kann sich vom Frauenarzt ein Attest holen. Dann kommt die Hebamme nach Hause.

KOSTEN: Zahlt bei medizinischer Indikation die Krankenkasse.  

Das Sportprogramm

FÜR WEN: Für alle, die davon überzeugt sind, dass eine Schwanger­schaft keine Krankheit ist. Für schwangere Couch­Potatoes, die der Meinung sind, dass sie jetzt endlich ein sportli­cheres Leben beginnen müssen. 

WAS ES BRINGT: Wer fit ist, steht eine anstrengende Geburt besser durch. Die klassi­sche Schwangerschafts­gymnastik, wie sie noch von unseren Müttern praktiziert wurde, ist langsam am Ausster­ben. Der Bauch wird heute eher mit Yoga, Pilates oder Zumba fit gehalten. Dass Sport in der Schwangerschaft sinnvoll ist, hat sich herumgesprochen.

WO: Viele Sportverei­ne und Fitnesscenter haben Angebote für die Zielgruppe mit Ku­gelbauch. Sie beraten, welche Sportarten jetzt gut sind (alles, was Arme und Beine stärkt und den Kreislauf in Schwung bringt) und was man jetzt besser lässt (Joggen belastet den Beckenboden).

KOSTEN: Wer Mitglied im Fitnesscenter ist, be­kommt den Trainings­plan umsonst; Nicht­mitglieder zahlen für Zehnerkarten zwischen 80 und 150 Euro. 

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Die Pärchen-Variante 

FÜR WEN: Für Paare, die sich gemeinsam auf die Zeit als Fami­lie vorbereiten wollen. Wer eine Hausgeburt plant oder im Ge­burtshaus entbinden will, findet hier Gleichgesinnte. 

WAS ES BRINGT: Das Gleiche wie ein klassischer Geburts­vorbereitungskurs, allerdings ist die Stimmung anders. Weniger mädchen­mäßig, mehr wie
bei einem Sonntag­vormittagsbrunch mit guten, aber nicht ganz vertrauten Bekannten. Vor allem Männer profitieren, weil sie auf Artgenos­sen in der gleichen Situation treffen.

WO: Eher in Hebam­menpraxen als in Entbindungskliniken.

KOSTEN: Den Anteil der Frau übernimmt die Krankenkasse, Männer müssen selbst zahlen (100 bis 150 Euro; manche Kassen bezuschussen). 

Der Crash- oder Kompakt-Kurs 

FÜR WEN: Für Leute mit wenig Zeit.

WAS ES BRINGT: Der gleiche Inhalt wie im klassischen Kurs, aber zackiger. Nur das Publikum ist in Wochenend­kursen oft ein bisschen anders. Die meisten
hätten gerne einen Beamer und eine ordentliche Powerpoint-­Präsentation; sie sind schwerer zu motivieren, sich auf fantasievolle Traumreisen und ausgiebige Körperübungen einzulassen. Und: Durch das straffe Programm bleibt weniger Zeit fürs private Netzwerken.

WO: In Hebammenpraxen und Entbindungskliniken.

KOSTEN: Zahlt die Krankenkasse bis auf einen möglichen Restbetrag. 

Info 

Manche Krankenkassen wie die Techniker, die DAK oder die BKK Mobil Oil haben mit bestimmten Frauenärzten oder Krankenhäusern Ver­träge abgeschlossen, die den Schwangeren mehr Leistun­gen anbieten. Deshalb lohnt es sich, bei der eigenen Kran­kenkasse nachzufragen, was es in der Nähe an solchen Angeboten gibt. 

Mit der Nadel 

FÜR WEN: Kein Kurs im klassischen Sinn, auch wenn einige Hebammen Akupunktur­Termine anbieten, bei denen mehrere Hochschwangere (36. bis 40. Woche) wie gestrandete Nilpferde mit Nadeln in den Füßen im Kreis sitzen. Kann sehr lustig sein. 

WAS ES BRINGT: Kann die Geburt um zwei Stunden verkürzen; Frauen brauchen weniger Schmerzmittel. Eine gute Gelegenheit, um die Geburtsklinik kennenzulernen. 

WO: Im Krankenhaus, in der Hebammenpraxis oder die Hebamme kommt nach Hause.

KOSTEN: In der Regel müssen gesetzlich Ver­sicherte die Akupunktur zur Geburtsvorberei­tung selbst zahlen. Die Kosten für eine Sitzung betragen zwischen 20 und 80 Euro. 

Im Wasser 

FÜR WEN: Für Wasser­ratten, aber auch für ge­stresste Zeitgenossinnen, die im Alltag nur schwer runterkommen. 

WAS ES BRINGT: Sich mal wieder leicht und schwerelos fühlen. Bewegungs-­, Atem-­ und Entspannungsübungen helfen nicht nur gegen Rückenschmerzen, sondern auch dabei, sich selbst zu spüren und den Kontakt zum Baby zu intensivieren. 

WO: Von der Hebam­menpraxis, die sich im Hallenbad einmietet, über Fitnessstudios, die für Schwangere Wasser­gymnastik anbieten, bis zum Edel­Float zum Treibenlassen ist alles möglich. 

KOSTEN: Es gibt Anbie­ter, die rechnen über die Kasse ab, und Schwimm­bäder, die neben dem Eintritt eine Gebühr von fünf bis zehn Euro pro Stunde verlangen. Wer eine Stunde alleine mit Bauchbewohner floaten will, muss mit etwa 60 Euro rechnen.

Für Wiederholungstäter

FÜR WEN: Für Schwangere, die schon ein Kind (oder mehrere) haben und deshalb nicht wieder bei Adam und Eva anfangen möchten.

WAS ES BRINGT: Den Praxistest haben alle hinter sich, deshalb sind die überstandenen Geburten ein wichtiges Thema: Was war gut, was soll anders laufen? Vor allem aber haben Mütter mit kleinen Kindern oft das Gefühl, dass eine zweite, dritte Schwangerschaft viel schneller dahinrast als die erste. Für das Baby
im Bauch bleibt im Alltag wenig Zeit. Die nehmen sie sich mit diesem Kurs ganz bewusst.

WO: In Hebammenpraxen und Entbindungskliniken.

KOSTEN: Übernimmt die Krankenkasse, eventuell muss man einen kleinen Restbetrag selbst zahlen.

Fotos: Getty Images/ Westend61; Getty Images/Jose Luis Pelaez Inc

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